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Schwarzwald

Natur im Schwarzwald

Wald, Wasser und Tierwelt — was sich gerade verändert und wo man es sieht.

Streckenlage

B500, Kontrollen und Streckensperrungen: Fahren im Schwarzwald

Der Schwarzwald gehört zu den dichtesten Kurvenrevieren Deutschlands – und genau das verlangt eine nüchterne Einschätzung von Strecke und Risiko. Das bekannteste Asphaltband ist die Schwarzwaldhochstraße, der nördliche Abschnitt der B500. Sie führt auf rund 60 Kilometern von Baden-Baden über den Nationalpark bis nach Freudenstadt und hält sich weite Strecken auf 800 bis 1.000 Metern Höhe. Die durchgehende Verbindung wurde 1952 fertiggestellt. Genau dieser Abschnitt steht regelmäßig in der Unfallstatistik weit oben und gilt als eine der unfallträchtigsten Motorradstrecken im Südwesten.

Motorradgespann auf der Schwarzwaldhochstraße vor Nadelwald und Wolkenhimmel
Unterwegs auf der Schwarzwaldhochstraße

Auf der B500 wird scharf kontrolliert. Auf der Schwarzwaldhochstraße gelten in mehreren Abschnitten Tempolimits von 70 und teilweise 50 km/h, dazu kommen Überholverbote; nur auf dem südlichen Teil sind bis zu 100 km/h erlaubt. Die Polizei führt vor allem an Wochenenden Großkontrollen durch – bei einer davon wurden über 230 Fahrzeuge oberhalb des Limits gemessen, mit zahlreichen drohenden Fahrverboten. Motorräder werden inzwischen mit neuen Messverfahren erfasst. Die Anwohner klagen seit Jahren über den Lärm; ein Parkplatz wurde bereits gesperrt, und über weitergehende Beschränkungen bis hin zu Fahrverboten wird immer wieder diskutiert.

Eine harte Regel betrifft den Schauinsland hinter Freiburg-Günterstal: Die Passstraße zum Gipfel ist an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen für Motorräder gesperrt. Die Sperrung ist ausgeschildert. Auch am Kandel – der kurvige Anstieg von Waldkirch oder St. Peter – kam es wiederholt zu Sperrungen; 2026 ist die Kandelstraße wegen Fahrbahnsanierung abschnittsweise für alle Fahrzeuge gesperrt. Was gilt, steht am Streckenanfang auf dem Schild – die Erfahrung vom letzten Jahr taugt hier nicht als Planungsgrundlage.

Zum Streckenzustand: Die Hauptachsen wie B500, B31 und B317 sind gut ausgebaut und breit. Anders sieht es auf den schmalen Bergsträßchen aus. Die Schauinsland-Auffahrt etwa ist über rund zwölf Kilometer eng, holprig und reich an engen Kehren – das Fahrwerk arbeitet hart, und die Linie muss sauber sitzen. Typische Gefahren im Schwarzwald:

Motorrad auf einer Landstraße durch Wiesen und Wald
Zwischen Bad Herrenalb und Loffenau
  • Rollsplitt nach Bauarbeiten und in frisch ausgebesserten Kehren – besonders tückisch am Kurvenausgang.
  • Nasse Waldkehren: Unter Baumkronen trocknet die Fahrbahn langsam, Laub und Feuchtigkeit halten sich lang. Schattige Nordhänge bleiben morgens klamm.
  • Wildwechsel in den Dämmerungsstunden, vor allem in den bewaldeten Hochlagen und Tälern.
  • Begegnungsverkehr: Auf schmalen Nebenstrecken können hinter der Kurve plötzlich Busse oder Forstfahrzeuge auftauchen.
  • Höhenwetter: Auf der Hornisgrinde und am Feldberg kann es nebelig, nass und deutlich kühler sein, während im Tal die Sonne scheint.
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Mittlerer Schwarzwald: Kinzig-Querungen und die Uhrenorte

Südlich der Kinzig ändert sich das Gestein und damit die Straßenführung. Der mittlere Schwarzwald ist zerschnittener, die Täler sind kürzer, die Übergänge häufiger. Die Kinzig selbst bildet die einzige durchgehende Ost-West-Achse des Gebirges: von Offenburg über Gengenbach, Haslach, Hausach und Wolfach bis nach Schiltach und Alpirsbach. Für Motorradfahrer ist sie weniger Fahrstrecke als Basislinie – der Reiz liegt in den Seitentälern, die von ihr nach Norden und Süden abgehen und sich zu kurzen, dichten Runden verketten lassen. Zwischen Wolfach und Schramberg oder zwischen Hausach und Schonach reihen sich Anstiege, Höhenrücken und Abfahrten in so schneller Folge, dass 120 Kilometer hier länger dauern als 200 im Norden.

Uhrenorte als Fahrziele

Dieser Landstrich war über zwei Jahrhunderte die Uhrenwerkstatt Deutschlands, und die Orte tragen das bis heute sichtbar. Die Deutsche Uhrenstraße verbindet sie als Rundkurs – brauchbar weniger als starre Route denn als Ideensammlung für Tagesziele. In Schramberg steht der Terrassenbau von Junghans am Hang, ein Fabrikgebäude, das sich in Stufen den Berg hochstaffelt und heute als Museum zugänglich ist. Schwenningen zeigt die industrielle Seite der Branche, Furtwangen und Schonach die handwerkliche. Für Bauwerk statt Vitrine geht es nach Schiltach: Die Fachwerkstadt staffelt sich um einen abschüssigen Marktplatz am Zusammenfluss von Schiltach und Kinzig und erinnert an die Flößerei, die das Schwarzwaldholz bis in die Niederlande brachte. In Alpirsbach stehen Klosteranlage und Brauerei nebeneinander, in Gutach liegt das Freilichtmuseum direkt an der Talstraße – Ziele, die sich ohne Umweg in eine Etappe einbauen lassen.

Natur

Südrevier: Hotzenwald, Wutachtal und die Hochrheinkante

Südlich des Feldbergmassivs beginnt ein Revier, das viele Tourenfahrer auslassen, weil die bekannten Namen weiter nördlich liegen. Der Hotzenwald ist eine Hochfläche, die sich zwischen Wehratal und Wutach über dem Hochrhein ausbreitet: weite Weidbuckel, verstreute Höfe, Straßen mit langen Sichtachsen und wenig Verkehr. Von St. Blasien, dessen ehemalige Klosterkirche mit ihrer mächtigen Kuppel unübersehbar aus dem engen Tal ragt, führen Verbindungen über Todtmoos, Bernau und Herrischried in alle Richtungen. Für Kehren nimmt man das Wehratal Richtung Todtnau, für Rhythmus bleibt man oben auf der Fläche.

Im Osten schneidet die Wutach ihre Schlucht in den Untergrund. Für Fahrer ist wichtig: Durch die Schlucht führt keine Straße. Das Naturschutzgebiet zwischen Neustadt und Blumberg wird umfahren, die Zufahrten enden an Wanderparkplätzen wie der Schattenmühle oder der Wutachmühle. Genau das macht die Runde ringsum interessant – über Lenzkirch, Bonndorf und Stühlingen, dann durchs untere Wutachtal nach Blumberg, wo die Museumsbahn zwischen Blumberg und Weizen mit ihren Kehr- und Spiralkonstruktionen dieselbe Höhendifferenz auf Schienen löst.

Ganz im Süden endet das Gebirge abrupt an der Hochrheinkante. Die Straße am Fluss zwischen Waldshut, Laufenburg, Bad Säckingen und Rheinfelden ist flach und schnell, taugt aber als Verbindungsstück zwischen zwei Bergetappen. In Bad Säckingen führt eine gedeckte Holzbrücke über den Rhein – Fußgängern vorbehalten, aber ein Halt wert. Der Wechsel in die Schweiz ist unkompliziert; die Vignette wird nur auf Autobahnen und Autostraßen verlangt, das Nebenstraßennetz im Aargau und im Jura ist frei befahrbar.

Kultur & Sagen

Schwarzwald-Sagen: Wichtel, Teufel und die Wilde Jagd

Die bekannteste Sagenkulisse der Region liegt direkt an der B500: der Mummelsee. In seinem Wasser soll ein Volk von Wasserfrauen leben, die „Mümmlein", in einem Kristallschloss tief unter der Oberfläche – daher der Name des Sees. Eine dieser Nixen verliebte sich der Überlieferung nach in einen Bauernsohn und vergaß beim Tanz mit ihm die Zeit; weil sie zu spät in den See zurückkehrte, musste sie als Strafe sterben. Am nächsten Morgen trieben drei Blutflecken am Ufer, und seither hat niemand die Nixen wieder gesehen. Heute erinnern eine Nixen-Bronzefigur im See und ein hölzerner „Seekönig" am Ufer an die Geschichte.

Die berühmteste literarische Sage des Schwarzwalds stammt von Wilhelm Hauff: „Das kalte Herz". Erzählt wird vom Köhler Peter Munk – „Kohlenmunk-Peter" –, der im Schwarzwald sein karges Brot verdient. Der Geschichte nach gibt es zwei Waldgeister: das gute Glasmännlein, das man mit einem Spruch in einem bestimmten Waldstück, dem Tannenbühl, herbeirufen kann, und den bösen Holländer-Michel, der Peter sein lebendiges Herz nimmt und ihm einen kalten Stein an dessen Stelle setzt. Erst nach einer schweren Schuld kehrt Peter mit Hilfe des Glasmännleins um. Die beiden Figuren stehen sinnbildlich für die alten Schwarzwald-Berufe: Glasmännlein für die Glasbläser, Holländer-Michel für die Flößer, die ihr Holz bis nach Holland trieben.

Düsterer wird es am Kandel über Waldkirch. In der frühen Neuzeit galt der Berg als „Blocksberg des Schwarzwalds", und das untere Elztal war ein Brennpunkt der Hexenverfolgung. Der Sage nach trafen sich auf der Teufelskanzel, einer mächtigen Felsformation an der Nordwestseite, die Hexen der Umgebung zum Tanz mit dem Teufel. Eine reale Fußnote zur Legende: In der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai 1981 brach der obere Teil des Kandelfelsens – eben jene Teufelskanzel – tatsächlich ab; rund 2.000 Kubikmeter Gestein lösten sich und liegen bis heute unterhalb des Felsens. Wer den Kandel hochfährt, hat den Schauplatz dieser Sage über sich am Hang.

Strecke

Fünf fertige Tagesrunden für eine Woche im Schwarzwald

Die folgenden fünf Rundkurse decken die wichtigsten Reviere ab und lassen sich über eine Woche gut kombinieren. Die Kilometer- und Zeitangaben sind grobe Richtwerte für entspanntes Fahren mit Pausen – wer fotografiert, einkehrt und Aussichten mitnimmt, plant großzügiger. Die Wochenend-Sperrungen am Schauinsland und teilweise am Kandel unbedingt beachten.

  • Tag 1 – Schwarzwaldhochstraße-Runde: rund 120–150 km, gut ein halber bis ganzer Tag. Von Baden-Baden über die B500 hinauf zur Hornisgrinde, Stopp am Mummelsee, weiter über Ruhestein nach Freudenstadt und zurück. Highlight: die offene Höhenstrecke mit weiten Ausblicken. Einkehr am Mummelsee. Achtung: scharfe Tempo- und Lärmkontrollen.
  • Tag 2 – Hochschwarzwald, Feldberg & Titisee: rund 100–140 km, halber bis ganzer Tag. Über die B31 durchs Höllental, am Titisee auf die B317 Richtung Feldbergpass (1.231 m) und nach Todtnau. Highlight: Pass- und Talwechsel rund um den höchsten Berg des Schwarzwalds. Einkehr am Titisee oder Schluchsee.
  • Tag 3 – Kinzigtal: rund 120–160 km, ganzer Tag möglich. Vom Kinzigtal aus die Seitentäler erkunden, mit Abstecher nach Triberg zu den Wasserfällen. Highlight: ruhige, kurvige Talstraßen abseits der großen Achsen. Einkehr in Triberg, dort auch das Schwarzwaldmuseum als Schlechtwetter-Option.
  • Tag 4 – St. Märgen & Kandel: rund 90–130 km, halber bis ganzer Tag. Über St. Peter und St. Märgen zur Hexenlochmühle bei Furtwangen, dann der kurvige Anstieg über den Kandel nach Waldkirch. Highlight: enge Kehren am Kandel und die Mühle mit zwei Wasserrädern. Wochenend-Beschränkungen am Kandel beachten.
  • Tag 5 – Südschwarzwald: rund 130–170 km, ganzer Tag. Rund um Schluchsee und Todtnau die südlichen Höhen und Täler fahren, mit Blick auf Feldberg und Feldsee. Highlight: der größte See des Schwarzwalds und weite, ruhige Uferstraßen. Einkehr am Schluchsee.

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