Der Schwarzwald ist Deutschlands höchstes Mittelgebirge und liegt im Südwesten von Baden-Württemberg. Über gut 150 Kilometer zieht er sich von der Linie Karlsruhe–Pforzheim im Norden bis ans Hochrheintal bei Bad Säckingen, bei einer Breite von 30 bis 50 Kilometern und einer Fläche von etwa 6.000 Quadratkilometern. Nach Westen bricht das Gebirge steil zum Oberrheingraben ab; jenseits der Rheinebene liegen die französischen Vogesen, die geologische Schwester des Massivs. Höchster Punkt ist der Feldberg mit 1.493 Metern – der höchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. Diese Staffelung aus tief eingeschnittenen Tälern und langen Kammlagen ergibt eines der dichtesten Kurvenreviere nördlich der Alpen: alpiner Streckencharakter, aber ohne alpine Höhe.
Rückgrat des Reviers ist die B500. Ihr nördlicher Abschnitt, die Schwarzwaldhochstraße, verläuft auf rund 60 Kilometern von Baden-Baden über die Höhen bis zum Kniebis bei Freudenstadt und klettert dabei auf gut über 1.000 Meter. Von Baden-Baden steigt sie zunächst steil nach Bühlerhöhe an, von wo bei klarer Sicht der Blick über das Rheintal bis zu den Vogesen reicht. Um 1930 als eine der ersten Ferienstraßen Deutschlands angelegt, ist sie breit ausgebaut, mit langgezogenen, gut einsehbaren Bögen auf festem Asphalt, und führt über weite Strecken direkt am Hangkamm entlang. Am höchsten Punkt der Strecke liegt der Mummelsee auf rund 1.030 Metern, einer der bekanntesten eiszeitlichen Karseen des Schwarzwalds, unterhalb der Hornisgrinde (1.164 m), dem höchsten Berg des Nordschwarzwalds. Südlich des Kniebis setzt sich die B500 als durchgehende Nord-Süd-Achse fort – über Triberg, Furtwangen, Hinterzarten und Titisee-Neustadt bis nach Waldshut am Hochrhein. Auf den ausgebauten Passagen gelten streckenweise Tempolimits von 70, teils 50 km/h; vorausschauendes, sauberes Fahren zahlt sich hier mehr aus als hohe Geschwindigkeit.
Den alpinen Charakter holen sich Fahrer vor allem an den Flanken. Die B317 überquert zwischen Todtnau im Wiesental und Titisee-Neustadt den Feldbergpass auf 1.231 Metern, der als zweithöchster Straßenpass Deutschlands gilt. Die südwestliche Rampe windet sich in Kehren rund 480 Höhenmeter auf etwa sieben Kilometern hinauf, die nordöstliche Seite gibt sich offener. Vom Gipfel des Feldbergs reicht die Fernsicht bei klarer Witterung über den Hochschwarzwald hinweg bis zur Alpenkette zwischen Zugspitze und Mont Blanc. Weiter westlich führt eine schmale Passstraße von Waldkirch im Elztal über zahlreiche Serpentinen auf den 1.241 Meter hohen Kandel, den Hausberg des Tals, und wieder hinab ins Klosterdorf St. Peter – eine der technischsten Auffahrten der Region. Die Schauinslandstraße oberhalb von Freiburg führt auf den 1.284 Meter hohen Schauinsland, den Hausberg der Stadt; sie zählt zu den kurvenreichsten Bergstraßen des Landes und trägt bis heute die benannten Kehren ihrer alten Bergrennstrecke – für Motorräder ist sie allerdings von April bis November an Wochenenden und Feiertagen gesperrt. An Schauinsland, Belchen und Kandel reihen sich Kurvenabschnitte, die den Vergleich mit den Alpen nicht scheuen. Wer den Belchen (1.414 m) ansteuert, fährt bis Multen: Das Gipfelgebiet ist seit 2001 autofrei und nur zu Fuß oder mit der Seilbahn erreichbar.
Zwischen den Kammlagen liegt das zweite Gesicht des Reviers: enge, waldgesäumte Talstraßen. Die B31 taucht zwischen Freiburg und Titisee ins Höllental ein, das sich am Hirschsprung auf wenige Meter verengt, während die Felswände bis zu 130 Meter aufragen und die Höllentalbahn – eine der steilsten Adhäsionsbahnen Deutschlands – parallel durch Tunnel und über Viadukte klettert. Ähnlich verwinkelt ziehen sich Murgtal, Kinzigtal, Wiesental, Elztal und Simonswälder Tal durch das Gebirge – Verbindungsachsen, die Kamm und Pass zu Rundkursen verknüpfen. Der Wechsel aus schnellen Höhenbögen und schattigen, engen Talpassagen prägt den Fahrrhythmus: oben lange gezogene Kurven mit Fernsicht, unten technisches Kurbeln zwischen Fels und Bach. Die Täler laufen fächerförmig auf die Höhenzüge zu, sodass Anstieg und Abfahrt zu fast jeder Etappe gehören.
Fahrtechnisch verlangt der Schwarzwald durchgehende Steigungen und eine dichte Kurvenfolge; die Straßenqualität auf den Hauptachsen ist gut. Mit jedem Höhenmeter kühlt es merklich ab – auf dem Feldberg liegen im Jahresmittel mehrere Grad weniger an als in der Rheinebene, entsprechend länger bleibt die Fahrbahn im Frühjahr feucht und schattig. Das ist Teil des Reviercharakters und kein Nachteil: Am besten liegt die Region bei gleichmäßigem Tempo, mit Blick weit in die Kurve und Reserven für wechselnden Grip. Die Kulisse aus Fichtenkämmen, offenen Weidbuckeln und tief eingeschnittenen Schluchten wechselt dabei nahezu im Kilometertakt, und die langen Sichtachsen auf den Höhenstraßen machen das Tempo leicht kalkulierbar. Von Frühsommer bis in den Herbst sind die Hauptachsen zuverlässig befahrbar; nur die höchsten Lagen um Feldberg und Schauinsland tragen im Winter längere Zeit Schnee. Entsprechend belebt sind die Höhenstraßen an sonnigen Wochenenden – wer den Verkehr meiden will, fährt die großen Achsen früh am Tag oder unter der Woche, wenn Kammlinie und Serpentinen frei liegen.
Was das Revier ausmacht, ist seine Kompaktheit. Kammstraße, Hochpass und Talschlucht liegen so nah beieinander, dass sich Hoch- und Nordschwarzwald an einem Tag zu einer zusammenhängenden Runde verbinden lassen – von der weiten Schwarzwaldhochstraße über den Feldbergpass bis hinunter ins Höllental. Wenige Regionen in Deutschland bringen so viele Straßentypen, Höhenlagen und Kurvencharaktere auf so engem Raum zusammen. Im Schwarzwald zählen nicht Rekorde, sondern Linienführung – und genau das macht ihn zu einem der beständigsten Motorradreviere des Landes.
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